Heute geht es um eine Rezensionsexemplar, für das ich mich bei der Piper Verlag GmbH ganz herzlich bedanken möchte, und mich entschuldigen möchte, dass die Rezension so lang hat auf sich warten lassen.
Aber hier ist sie!
| Bild: krimi-couch.de |
"Inselgrab" ist der letzte Teil der Serie von Kriminalromanen von Johan Theorin, die, soweit ich das richtig gelesen habe, alle auf der Insel Öland spielen. Ich habe die letzten drei Bände nicht gelesen, überlege aber nun, sie mir demnächst anzuschaffen.
Denn dieses Buch ist mal wieder ein wahrhaft gelungener Schwedenkrimi!
Aber beginnen wir mit dem Inhalt.
Jonas Kloss darf nicht mit ins Kino. Seine Cousins und sein Bruder sind älter als er, und nachdem sie den Eltern vorgegaukelt haben, sie nähmen ihn mit, setzen sie ihn an der nächsten Straßenecke aus. Er verspricht, sich zu verstecken, bis die anderen wieder da sind, damit sie bei der Familie nicht auffliegen. Und so setzt sich Jonas deprimiert in das Schlauchboot, lässt sich treiben - und stößt so auf das Geisterschiff mit den lebenden Toten.
Gerlof Davidsson ist ein alter Mann, der nur zeitweise in seinem Haus wohnen darf. Den Rest der Zeit verbringt er in einem Seniorenheim. Eines Abends hat er Besuch von seinen Enkeln und schläft daher in seinem Bootshäuschen. Gerade eingedöst, hämmert es an der Tür - und vor ihm steht ein durchnässter, entkräfteter und vollkommen verängstigter Jonas. Der erzählt ihm eine Geschichte, die ihn an einen Erlebnis seinerseits erinnert: Als bei einer Beerdigung Klopfzeichen aus einem Sarg ertönten, der gerade in sein Grab gehoben werden soll.
Und so beginnt der Leser eine Reise, die sich am Ende als eine Ermittlung herausstellt. Nicht mithilfe einer einzigen Person, einem Polizisten gar, sondern der Plot wird Stück für Stück durch verschiedene Personen offengelegt. Einige Arbeit dabei tut Gerlof Davidsson, der für sein Alter zwar schon sehr gebrechlich, aber dafür noch äußerst fit im Kopf ist.
Mir gefällt die Art, wie der Leser Stück für Stück zur Lösung hingeführt wird. In etwa zur Hälfte des Buches ist der Leser mit so vielen Fragen konfrontiert, dass eine Lösung fast unmöglich erscheint. Man braucht eine etwas längere Einlesezeit, denn zu Beginn werden erst einmal nach und nach die Personen eingeführt, die für die Handlung sehr wichtig sind. Da das einige sind, werden die kurzen Kapitel immer mit der Person überschrieben, aus deren Sicht erzählt wird, nicht mit Nummern oder albernen Titeln. Die Kapitel an sich sind zwar kurz, aber spannungsfördernd.
Auch die Erzählweise in zwei Zeitsträngen finde ich sehr spannend und gut gemacht. Stück für Stück wird einem die Vergangenheit des Heimkehrers offengelegt, die am Ende sogar etwas wie Verständnis für ihn aufkommen lässt.
Auch die Figuren sind sehr gut durchdacht. Trotz schwieriger Vergangenheiten und komplizierten Situationen verhält sich niemand charakterfremd. Die Figuren ruhen wirklich in sich und haben alle einen vollkommen individuellen Charakter. Auf niemanden passt irgendeine Schablone, sie sind nicht plakativ und gehen wahnsinnig gut in die Tiefe.
Besonders beeindruckt haben mich persönlich Veronica Kloss und Aron Fredh.
Während Veronicas Fassade wirklich gut gehalten wurde, bis über die Hälfte des Buches hinaus, ist Aron trotz seiner komplexen Vergangenheit und dem schwierigen Charakter niemals unglaubwürdig. Auch Paulina war eine große Überraschung.
Das Ende war nicht vorhersehbar. In einigen Punkten stellte der Leser natürlich Vermutungen an, und in einigen Punkten hatte er vielleicht Recht, aber wie groß die Lösung am Ende ist, erwartet man nicht.
Ebenfalls ein großer Pluspunkt: Theorin schafft es, mit nicht allzu langen Beschreibungen, die vom Fall an sich ablenken und die Spannung senken würden, eine unglaublich schöne Atmosphäre der sommerlichen Insel zu schaffen. Der Schreibstil ist insgesamt sehr passend für den kompletten Fall, sehr bedächtig und auch ein wenig langsam.
Zwei Minuspunkt hätte ich allerdings:
Einerseits der aus dem Zusammenhang gerissene Tod eines Freundes von Gerlof. Wieso und weshalb war mir jetzt nicht sonderlich klar. Zudem steht vollkommen zusammenhangslos der Mörder Gerlofs Enkels vor der Tür. Der Mordfall wurde im Buch vorher nicht erwähnt, und der Mörder hat auch keine tragende Funktion für das Buch. Wahrscheinlich, ich konnte es aus den Kurzinhaltsangaben nicht herauslesen, wird das in einem der vorherigen Bücher behandelt. Der Leser soll hier also - das einzige Mal in diesem Buch - darauf verwiesen werden, dass das Buch zu einer Reihe gehört und man etwas verpasst hat, hat man die Teile davor nicht gelesen. Doch so eine Art von Werbung hat Theorin gar nicht nötig, meiner Meinung nach.
Meiner Meinung nach ein richtig guter Krimi! Sehr lesenswert und jeden Euro des Kaufpreises wert.
Sobald ich den Stapel ungelesener Bücher fertig habe, werde ich mir wahrscheinlich die Vorgänger gönnen.
