| Bild: lovelybooks.de |
Wie weit sollten wir gehen? Und wo liegt die Grenze?
"Zum Androiden geboren" hat, wie "Werde sichtbar", auch ein Thema als Hintergrund, das allgegenwärtig thematisiert wird, auf welchem die Handlung aufbaut. In "Zum Androiden geboren" beschäftigt sich die Autorin damit, wie sich der Fortschritt, nach dem wir alle geifern, auswirken könnte. Immer mehr wir entwickelt, sodass wir Menschen uns immer weniger selbst engagieren müssen. Internet, Smartphones, Smartwatches (damit wir uns noch weniger ansehen?), selbst saugende Staubsauger, das alles ist schon Wirklichkeit, und keine Fiktion mehr. Auch in der Herstellung sind Maschinen mittlerweile notwendig.
Also - wie weit entfernt sind wir wirklich vom Androiden? Ich denke, gar nicht mehr so weit. Und daher ist es umso wichtiger, dass wir uns damit auseinandersetzen und entscheiden, wie wir mit diesem Fortschritt umgehen sollen.
Achtung. Eventuell Spoiler Alert!
1. Das Cover
Das Cover ist für mich bei der Kaufentscheidung meistens eher irrelevant, aber weil es dazugehört, sage ich hier kurz etwas dazu.
Bei nicht allen ist das Design gut angekommen, aber ich mag die Mischung der Retro-Schriftart (die meiner Meinung nach nicht altbacken, sondern eben Retro aussieht) und der eher modern inszenierten Frau im Hintergrund. Im Allgemeinen kann man mittlerweile sagen, dass Celeste gern Gesichter im Cover verwendet.
Ich find's okay. Aber wie gesagt, Cover sind für mich selten ein großer Punkt.
2. Inhalt
Die plumpe Inhaltsangabe spare ich mir, die steht ja oben, und die wird jeder gelesen haben, der sich eine Rezi dazu durchliest.
Zunächst zum Thema: Ealain zwingt den Leser erneut dazu, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, welches irgendwie allgegenwärtig und kontrovers ist. Anders als in "Werde sichtbar" ist es diesmal ein wenig offensichtlicher, durch sehr konträr gesetzte Figuren, die das ein oder andere Mal in Grundsatzstreits ausbrechen. So haben wir beispielsweise, böse gesagt, "Moralapostel" Stacy, mit der sich die Leserschaft am ehesten identifizieren soll, und den vollkommen überzeugten Riley, der sich bereits selbst modifiziert hat. Das Thema wird also offensichlicher, dafür viel kontroverser dargestellt. Während sich in "Werde sichtbar" der Lesereher allgemeine Gedanken um das Leben und Fehltritte und Handlungen macht, haben wir hier ein konkretes Problem: Wie nützlich ist Fortschritt, was bringt er uns, was sparen wir an persönlicher Energie und Zeit, aber welche Folgen birgt er, welche Gefahren tauchen auf?
Das hat noch immer viel mit persönlichen Vorlieben zu tun, die man hier allerdings kritisch hinterfragen soll.
Der Handlungsstrang ist, gelinde gesagt, WAHNSINN! Sogar beim Lesen fiel mir auf, wie fein der ausgearbeitet ist und wie, darin wird Frau Ealain Meister ;), immer Stück für Stück kleine Krumen an Informationen gelegt werden, durch die der Leser, wenn er will, die Schlüsse ziehen kann (und in meinemFall dann ungläubig im Bett hin und her rollt), beziehungsweise, wenn er es nicht erkennt, darauf zurückblickt und ihm auffällt, dass es eigentlich vollkommen offensichtlich ist.
(Dazu muss gesagt werde, dass ich hier natürlich andere Maßstäbe ansetze als bei Thrillern und fetten Krimis.)
3. Charaktere
Sie kriegt mich jedes verdammte Mal! :D
Ich finde, in der Charakterausarbeitung und -beschreibung steht Ealain "bekannten" (steht in Anführungszeichen, weil mir ist sie ja bekannt... ihr wisst, was ich meine) in nichts nach. Einige ihrer Figuren entwickeln sich zu meinen permanenten Lieblingen (Kilian!) - auch im Vergleich durch das ganze Bücherregal. Ich denke, Awill wird ebenfalls einer davon.
Nicht nur durch prägnante Äußerlichkeiten sondern auch durch Meinungen, bestimmte Arten, sich zu äußern, ihre Handlungen und ihre Art zu denken - sie machen sie vielfältig. Zu einem wirklichen Charakter, nicht nur einer zweidimensionalen Figur, die halt mal auftritt. Auch handeln die Figuren ihrem Charakter nach, nicht primär für die Handlung. Wie oft liest man ein Buch und fragt sich, ob dieser eine Charakter nun schüchtern ist oder doch vorlaut, weil er/sie einfach so handelt, wie es die Handlung erfordert, nicht weil er/sie so ist. Keine Chance hier.
Mal wieder sind alles außergewöhnlich melodische Namen, vor allem gefallen mir Awill und Lace. Was mir auch auffällt - die Namen kommen aus allen Regionen und Sprachen. (Lace, Olivia, Stacy|Herr Wiener, Saskia, Peters, Martins [auch in Kombination, wie Stacy Martins]) , was aber keine Kritik ist, sondern im Gegenteil - im Zuge unserer Grobalisation ist es sogar realistisch und sehr wahrscheinlich.
Wie gesagt, auch hier: Daumen hoch!
4. Schreibstil
Hier fange ich persönlich an zu TANZEN, mein lieber Scholli! Ich krieg' die Krise! (Eine gute!)
Ich persönlich sehe in den Werken, die ich nun chronologisch, vom Erscheinen her, gelesen habe, einfach einen ziemlichen Fortschritt! Ich finde eseinfach wahnsinnig, wie man merkt, dass die Leserundenbeiträge nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern überdacht und teilweise zum Fortschritt gemacht werden! Ich erkenne so viele Dinge, die in Leserunden angesprochen wurden, die konstruktiv kritisiert wurden, und die dann mit jedem Buch besser wurden - als Beispiel die Zeitsprünge (teilweise auch Erinnerungen), Wiedererkennungspunkte oder auch das Timing des "Showdowns"! Mann ey, darüber könnt' ich mir einen Wunderbeutel umhängen! Es zeigt uns Lesern und Teilnehmern der LR so sehr, wie unsere Meinungen tatsächlich gehört und wertgeschätzt werden.
Außerdem: Ich LIEBE die Atmosphären. Mit gezielten bildlichen Eindrücken, Gerüchen oder anderen Dingen wird gezielt eine Atmosphäre geschaffen - ohne sich dabei in Beschreibungen zu verlieren und zu schwafeln.
Besonders gut fand ich die Szene, in der Leyana am Grab sitzt, es so friedlich schneit - bevor das Drama in diese friedvolle Szene platzt.
5. Kritik & Fazit
Zu einer Rezi gehört Kritik, aber verdammt Celeste, du machst es mir schwer, das hier nicht wie pure Schleimerei aussehen zu lassen. Die Dinge, die ich hier anführe, sind natürlich ernst gemeint, und verbesserungswürdig - aber im Vergleich einfach Krumen. Aber, here it comes:
Die Kapiteltitel fand ich zwischendurch ein wenig zu lang, ein bisschen too much, manchmal ein wnig zu kitschig.
Aber das ist Geschmackssache, und ich habe sie meistens sowieso überlesen.
Zweitens: Der Prolog. Er war als EInstieg, als Spannungsauslöser gut, keine Frage - aber im Nachhinein wird er vollkommen vergessen. Erst jetzt, drei Tage nach Beenden des Buches, ist mir aufgefallen, dass ich die erste Hälfte noch immer nicht ganz verstehe, und der Groschen des zwiten Teils ist auch erst gerade eben gefallen. (Mit einer Schnappatmung.)
Drittens: Manchmal waren mir die wörtlichen Reden doch ein bisschen arg romantisch, zu Kitsch übergehen, und einige Sätze in Stacys Monologe doch ein wenig sehr moralkeulenlastig. Aber das... gehört auch irgendwie dazu.... ich weiß auch nicht mal, ob ich das jetzt wirklich als Kritikpunkt sehe, aber eh' ich das entschieden hab, ist es Dezember, also steht es jetzt hier.
Daher das Fazit:
Okay. Ich weiß, ich freue mich hier über jeden einzelnen Punkt. Und ich habe wenig Kritikpunkte. Und trotzdem sind es oben nur vier Sterne. Eigentlich mag ich dir aber so gern 4,5 Sterne geben. Den halben Punkt Abzug gibt es für die Sache mit dem Prolog - und weil ich glaube, dass da noch so viel Platz nach oben ist! Ich traue Celeste einfach zu, dass die Entwicklung noch nicht durch ist, und dass Thema und Schreibstil noch feinfühliger werden(, dass ich irgendwann umfallen werde.).
Ich muss mir ja außerdem für meine Bewertungen noch was freihalten - denn LB hat eben nur 5 Sterne. Und in Anbetracht der kommenden Bücher sind's eben nur viereinhalb.
Also: Klare Leseempfehlung!!!!