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Samstag, 3. Mai 2014

"Verdorbenes Blut" - Geoffrey Girard

Und hier das erste Buch!
Ich hatte die Möglichkeit, es im Rahmen einer Leserunde bei luebbe.de zu lesen. Vielen Dank noch einmal dafür!



Bild: amazon.de


Das Cover: Das Cover überzeugt. Schlicht, vielsagend, gut gemacht. Passt zum Inhalt, vor allem mit dem zerbrochenen Reagenzglas.

Der Inhalt: Castillo ist ein Soldat, er viele Jahre lang bei der Sondereinheit der Delta Force diente. Nach einem verheerenden Geschehen in einem Einsatz wurde er sozusagen zwangspensioniert und leidet nun an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Nun tritt Stanforth, sein ehemaliger Chef, in sein Leben zurück, und verlangt von ihm, dass er sechs Jungen aufspürt, die aus einer Schule ausgebrochen sind. Die Besonderheit: Die "Schule" ist nicht nur eine solche, sondern ebenfalls ein Labor, in dem Klone von berühmten Serienkillern geklont werden - Jeffrey Dahmer, Ted Bundy, David Berkowitz, Dennis Rader, Henry Lee Lucas, Albert Fish, Henry DeSalvo und viele mehr. Die sechs ausgebrochenen Jungen sind Klone dieser Killer - und bereit zu töten, wie sie bereits bei ihrem Ausbruch aus der Anstalt bewiesen haben. Castillo geht auf die Jagd - und stößt dabei an viele Ecken und Kanten.

Meine Bewertung: Dieses Buch empfand ich als sehr spannend. Der Schreibstil ist flüssig, spannend gehalten, der Spannungsbogen wird über das ganze Buch gehalten, da mache ich keine Abzüge. Die Hauptcharaktere sind realistisch dargestellt, haben Fehler und Schwächen - und Tiefe. Die dargestellten Gräuel sind so erschreckend, weil fast alle von ihnen exakt so begangen worden sind, von den "Originalen" der Klone. Ja, Edward Theodore Gein höhlte die Köpfe seiner Opfer aus und nutzte sie als Futterschalen für seine Hunde und Katzen. Wem so etwas zu heftig ist, sollte Finger von dem Buch lassen. Aber eins muss klar sein: diese Dinge sind nicht der Fantasie des Autors entsprungen. Diese Dinge sind so passiert, es gab Menschen, die machten so etwas. Ein Einblick in die tiefsten Abgründe und Kellerräume der menschlichen Seele. Die Handlung ist spannend, der Plot gut ausgearbeitet. Lediglich am Ende gibt es einige Ungereimtheiten, die nicht logisch oder unrealistisch erscheinen, was in meinen Augen leider ein großer Fauxpas war. Ansonsten ist das Buch in den ersten drei Vierteln wahnsinnig gut recherchiert, was meiner Meinung nach ein großes Plus darstellt. Biologische Daten und Fakten zum Klonen sind vollkommen richtig dargestellt. Im Buch geht es viel darum, ob Gewalt und Perversitäten vererbt werden können. Es regt den Leser zu genau dieser Überlegung an, obwohl es am Ende zu einem eindeutigen Schluss kommt.
Zudem geht es viel um das Verhältnis von Militär-Bevölkerung-Regierung. Schon die Regierung weiß nicht alles, was das Militär so treibt - und die Bevölkerung ist völlig ahnungslos. Das Buch ist eine Kritik an den Möglichkeiten, die Militär und Tochterfirmen heutzutage haben, und was passieren kann, wenn das Geld über die Moral siegt. Ist es ethisch vertretbar, einen Menschen zu klonen? Ist es ethisch vertretbar, einen Serienkiller zu klonen? Und ist es ethisch vertretbar, die Bevölkerung von diesen Tatsachen nichts wissen zu lassen? Waren Tuskegee und andere Militärexperimente ethisch vertretbar? (Arme Menschen in Alabama wurden absichtlich von der Gesundheitsbehörde der USA mit Syphilis infiziert um die Wirkungen zu erforschen, die diese Krankheit unbehandelt entwickelt. Auch als es ein Gegenmittel gegen Syphilis gab, wurde dieses nicht angewandt. Als ein Mitarbeiter aus einem anderen Abteil des Gesundheitsministeriums davon erfuhr, und sich beschwerte, wurde ihm mitgeteilt, dass die Seuchenschutzbehörde keinerlei moralische Bedenken hätte. Dass Experiment lief von 1932 bis 1972, bis der Druck der Medien, die durch den Mitarbeiter davon erfahren hatten, das Experiment in die Knie zwang.) Von solchen Experimenten werden noch sehr viele andere im Buch genannt. Wie erschreckend es doch ist, dass das Militär an seiner eigenen Bevölkerung herumexperimentiert! Mir persönlich hat es ein klitzekleines Bisschen die Augen ein Stück mehr geöffnet.
Das Buch macht außerdem klar, dass die Geschichte, die wir lernen, die der Sieger ist. Es werden einmal Operationen erwähnt, in denen es darum ging, dass die Mediziner in den KZs, die Experimente an den Häftlingen durchgeführt wurden, genauso in die USA eingeflogen werden sollten wie die Entwickler sämtlicher Kriegswaffen. So viel zur USA, unser großer "Beschützer". Was bei uns aufhörte, ging dort drüben weiter. (Das soll keine Hetze gegen die USA sein. Es soll nur zeigen, wie unwissend man ist. Wer weiß, was unser Militär in Geheimprojekten so alles anstellt?)

Das Buch zeigt auf, wie wenig die Bevölkerung über Projekte von Regierung, Militär und Geheimdiensten weiß. (Siehe großer Aufschrei nach Spionage durch die USA.)
Das Buch zeigt die Unklarheiten der moralischen Grenzen im Bereich der Wissenschaft auf. (Es ist laut Gesetz nicht verboten, einen Menschen zu klonen.)
Das Buch zeigt auf, dass der Mensch grausam und krank sein kann. (Und vor allem, wie verdammt viele Serienkiller es schon gab. Was einem auch nicht direkt klar ist.)
Und das Buch zeigt auf, wie sehr man beeinflussen kann, wer man ist, und dass man die Person sein kann, die man sein will. Man muss sich nur ein wenig anstrengen.

Fazit: Im Prinzip fungiert das Buch als einziger großer Denkanstoß, um Moral, Militär, Kriege, Regierung und sein eigenes Selbst kritisch zu hinterfragen, weshalb ich ihm trotz der groben Logik-Schnitzer im Ende 4 von 5 Sternen geben möchte.

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