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Donnerstag, 26. Juni 2014

"Mein Sommer mit Nora" - Linda Yellin

Auch dieses Buch durfte ich - Überraschung! - im Rahmen einer Leserunde lesen. Ich bedanke mich, trotz der Rezension, herzlich dafür, dass ich teilnehmen durfte.





Da ich das Buch nicht schon in der Inhaltsangabe vollkommen sarkastisch zerkritteln möchte, werde ich hier einfach zur Inhaltsangabe - Schande über mich! - den Klappentext hineinkopieren:

Molly, Ende 30, lebt in New York und hat dem Traum vom großen Glück abgeschworen. Stattdessen führt sie eine unaufgeregte Beziehung mit dem soliden Chiropraktiker Russell und schreibt Klatsch-und-Tratsch-Reportagen für ein Online-Magazin. Die Tiefen des Alltags meistert sie mit spitzzüngiger Ironie und einem zur Perfektion eingeübten Galgenhumor. Dass das allerdings nicht immer funktioniert, bekommt sie zu spüren, als sie eine Reportage über die Liebe im Großstadtdschungel New Yorks schreiben soll und das zu allem Überfluss im Geiste der romantischen Übermutter Nora Ephron. Harry und Sally, Schlaflos in Seattle, E-Mail für Dich alles wird von Molly zu Rate gezogen, doch der romantische Funke will einfach nicht überspringen. Und blind, wie sie für die Chancen im Leben geworden ist, sieht sie auch die Begegnung mit Cameron, einem Mann, der sie aus der Reserve zu locken versteht und ihr in Witz und Schlagfertigkeit in nichts nachsteht, nicht unbedingt als Wink des Himmels

Spritzig, wunderbar frech und entwaffnend komisch erzählt Linda Yellin vom unerwarteten Liebestaumel einer abgeklärten New Yorkerin, die feststellen muss, dass sie im Grunde ihres Herzens eben auch nur eines will: ein Happy End!


Irgendwie war es anscheinend nicht das Buch für mich, denn ich konnte mich im Prinzip überhaupt nicht einfühlen. Weder in Charaktere, noch in Situationen und Handlungen. Die Charaktere blieben flach, plakativ und ohne Tiefe, die Handlung war zu angestrengt in bestimmte Richtungen geführt, und das mittels einem Haufen Zufälle, die vollkommen übertrieben und nicht nachvollziehbar waren. Man merkte den Willen den Autorin, Dinge in eine bestimmte Richtung zu lenken, die Situationen ergaben sich nicht aus der Handlung selbst, was aber eigentlich geschehen müsste.


Aber fangen wir mit Cover und Titel an: Der Titel wirkt weitaus romantisch verklärter, als es das Buch dann im Endeffekt ist. Sowohl Cover mit Strand und Strandstuhl bedeuten, dass irgendetwas sommerliches vorkommt - ab und zu scheint die Sonne, das war es allerdings auch. Viel mit Sommer, Baden, Schwimmen oder Strand ist hier nicht. Auch die Frau auf dem Bild schaut weniger verträumt als überheblich, das implizieren mir jedenfalls die gespitzten Lippen und der Blick. Irgendwie wirkt das Rouge auch ein wenig unästhetisch, aber das ist ja nun etwas vollkommen banales, tut mir Leid... mir fallen immer am ehesten solche Kleinigkeiten auf, vor allem auf Buchcovern.

Ich beginne mit den Protagonisten.
Molly war die einzige, die ein wenig mehr Facetten zeigte - was allerdings daran lag, dass die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wurde. Wenigstens handelte sie meistens ihrem Charakter nach - immer nach einer zynischen, schnoddrigen Art.
Cameron kam meines Erachtens nach viel zu selten vor, um sich ein richtiges, tiefergehendes Bild zu machen, und wenn, dann hatte ich eher dasselbe Bild wie Molly anfangs, bevor sie es meiner Meinung nach grundlos zu dem eines strahlenden Heldens revidierte. Ich habe,um ehrlich zu sein, keine Aktion von Cameron bemerkt, die diesem Bilde rechtmäßig sind.
Auch die Sidekicks und Nebencharaktere wurden nie ausführlicher gemacht, alle blieben oberflächlich und ohne Eigenarten, so auch ihre Freundinnen Angela und Kristine, genau wie Pam, die ihre Funktion praktisch schon am Anfang bedient hatte - dann ward sie nie mehr gesehen.
Die Handlung ist zwischenzeitlich nicht nur unlogisch, sondern absolut unrealistisch (und hier inklusive des Faktors der Lovestory mit Happy End, die es ja im echten Leben auch so selten geschrieben gibt). Fahrstuhltüren, die viel zu oft auf und zu gehen, einfach so, und solche Dinge. Sie bekommt die verdammt wichtige Aufgabe einer Kollegin, weil diese gerade auf der Toilette ist - die Chefin schickt lieber eine vollkommen uninformierte Person ins Fernsehen, statt die fünf Minuten zu warten oder die Kollegin vom Pott zu holen. Klar.
Das Ende war unbefriedigend, passte nicht zum Rest der Geschichte und war überzogen und ebenfalls vollkommen unrealistisch.
Gefühle wurden in keiner Weise irgendwo übermittelt:
Kurz vor Schluss beschließt Molly mehr oder weniger, Cameron zu lieben. Bei Cameron kann ich nicht unterscheiden, ob er sie wirklich mag, oder ob er genau so ein Aufreißer ist, wie Molly ihn anfangs beschreibt.
Der Witz ist gut vorhanden, ich habe des öfteren Schmunzeln oder Lachen müssen. Auch wenn einige Patzer dabei sind - wer würde sich denn bitte von den Freunden seines Partners DickeHose nennen lassen?!
Insgesamt konnte ich mich in dieses Buch einfach von vorn bis hinten einfühlen. Es hat in meinen Augen auf ganzer Linie versagt. Bis auf die Wortwitze, die sind 1a mit Sternchen.



(Bild: lovelybooks.de)

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